Im Juni bietet die HWK OWL zum ersten Mal eine Qualifizierung rund um IT-Sicherheit und Datenschutz direkt für Handwerker:innen und Handwerker an. Weshalb glaubt Ihr, dass es in jedem Betrieb speziell geschulter Mitarbeiter:innen bedarf?
Miriam Belke: Kleinst- und Kleinunternehmen machen aktuell knapp 97 Prozent der deutschen Wirtschaftsunternehmen aus. Davon verfügen allerdings die wenigsten über das erforderliche Personal, das sich um die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit im Betriebsalltag kümmert. Externe Dienstleister sind wiederum mit Kosten verbunden, die viele nicht bereit sind zu zahlen. Oft mangelt es auch an passenden IT-Dienstleistern in der Region, insbesondere für Kleinstunternehmen.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen denken, sie seien zu klein und unwichtig, um auf den Radar von Cyberkriminellen zu gelangen. Das ist aber ein großer Irrglaube, denn jeder Betrieb hat Daten, deren Verfügbarkeit notwendig sind, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. 2022 gehörten in Deutschland Cybervorfälle und Betriebsunterbrechungen durch Cybervorfälle zu den größten Geschäftsrisiken überhaupt.
Eine der größten Gefahren ist in meinen Augen allerdings, dass noch nicht bei allen ein Bewusstsein für die aktuelle Bedrohungslage vorhanden ist. Um dem entgegenzuwirken, qualifizieren wir seit 2020 Betriebsberater:innen aus Handwerksorganisationen, damit diese ihre Betriebe für die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit sensibilisieren. Das ist nur ein erster kleiner Schritt.
Daher ist es umso wichtiger, dass sich Betriebe selbst absichern. Wer die Augen vor diesen wichtigen Themen verschließt, riskiert im Schadensfall irreversible Datenverluste, Produktionsstillstand, hohe finanzielle Schäden und Auftragsverluste. Dabei kann es in einem ersten Schritt schon ausreichen, sich das benötigte Wissen in den Betrieb zu holen – auch ohne jemanden dafür einzustellen oder zu beauftragen. Eine:n Betriebsangehörige:n mit dem notwendigen Wissen auszustatten ist dabei ein sehr guter Ansatz, egal ob es ein:e Mitarbeiter:in, Auszubildende:r oder die Unternehmensleitung selbst ist. Gibt es jemandem im Betrieb, der oder die auf die wichtigsten Punkte beim DSGVO-konformen Handeln hinweisen, für aktuelle Gefährdungslagen sensibilisieren und Schwachstellen identifizieren kann, sodass sie geschlossen werden können, entsteht damit schon eine grundlegende Absicherung.
An wen genau richtet sich die Qualifizierung? Also, braucht es ein Vorwissen und was genau wird vermittelt?
Miriam Belke: Für die meisten Sicherheitsaspekte muss man kein:e IT-ler:in oder Jurist:in sein, viele Sicherheitsmaßnahmen lassen sich schon mit einfachen Mitteln umsetzen. Daher ist für die Teilnahme auch kein Vorwissen notwendig. Sinnig wäre hier einzig, dass der oder die Teilnehmende noch ein Weilchen im Betrieb bleibt, um das Wissen auch dauerhaft dort zu verankern.
Vermittelt werden die Grundlagen zum betrieblichen Datenschutz und IT-Sicherheit, um ein grundlegendes Verständnis zu schaffen. Darauf aufbauend zeigen wir konkrete Maßnahmen auf, die sich schon mit wenigen Mitteln in den Betriebsalltag integrieren und umsetzen lassen, um die Informationssicherheit fest im Betrieb zu verankern.
Im Themenblock Datenschutz wird bspw. der Beschäftigten-Datenschutz und DSGVO-konforme Werbung zum Schutz vor Abmahnungen behandelt. Im Themenblock IT-Sicherheit geht es um die Identifizierung potenzieller Gefährdungen, praktische Maßnahmen zur Absicherung und natürlich um das Notfallmanagement zur Vorbereitung auf einen möglichen Ernstfall. Auch das Thema Cybersecurity-Awareness spielt dabei eine Rolle, um die eigenen Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen sensibilisieren zu können.
Was brauchen Interessierte, um teilnehmen zu können?
Miriam Belke: Die Qualifizierung wird komplett online durchgeführt, damit die einzelnen Lerneinheiten und Webinare auch unkompliziert in den Betriebsalltag integriert werden können, unabhängig vom Standort.
Zur Teilnahme wird lediglich eine stabile Internetverbindung benötigt und ein Endgerät, um sich auf unsere Lernplattform einloggen und an den Webinaren teilnehmen zu können. Vorteilhaft sind ein Headset und eine Kamera, doch auch mit einem einfachen Kopfhörer lässt sich daran teilnehmen.
Insgesamt läuft die Qualifizierung über einen Zeitraum von 2 Wochen mit einem Gesamtstundeneinsatz von ca. 16 Stunden. Zwei Webinar-Termine sind gesetzt, die Selbstlernmodule dafür frei einteilbar. Für die Teilnahme erheben wir eine Seminargebühr von 700 Euro (brutto).
Wie kann man sich anmelden? Wenn Leser:innen noch weitere Fragen haben, an wen können sie sich wenden?
Miriam Belke: Anmelden können sich Interessierte ab sofort online über unsere Veranstaltungs-Webseite. Für Fragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung.
Vielen Dank Miriam, für Deine Zeit und die Informationen. Wir wünschen euch viel Erfolg für die erste Runde im Juni 2023!