Dachdecker:innen verlegen einfach nur Ziegel oder Dachsteine? Das war gestern. Heute ist das Dachdeckerhandwerk ein digitalisierungsgestütztes „Energiespar- und Energiegewinnungs-Handwerk“ geworden. Alle, die sich heute für eine Ausbildung in diesem Gewerk entscheiden, können sich dementsprechend auf eine nachhaltige und zukunftssichere Karriere einstellen.
„Was vor 50 Jahren mit der Solartechnik begann, ist inzwischen eines der wichtigsten Geschäftsfelder des Dachdeckerhandwerks geworden“, so Andrea Schulte-Täumer vom Dachdecker Verband Nordrhein. Denn als „Fachgewerk für die Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik“ sind Dachdecker:innen für die gesamte Gebäudehülle zuständig. Dazu gehört die energiesparende Dämmung – nicht nur von Dächern – sondern auch von Wänden – hier in erster Linie durch vorgehängte hinterlüftete Fassadensysteme VHF. Für das Planen, Vermessen und Begutachten von Dächern setzen immer mehr Dachdecker:innen auf den Einsatz von Drohnen.
Ebenso montieren Dachdecker-Fachbetriebe Solarmodule an Dach und Wand. Solche Solarmodule können zur Stromerzeugung, etwa für Wärmepumpen oder die E-Mobilität genutzt werden. Zusätzlich können Solarthermie-Module die Heizungsanlage des Gebäudes noch energieeffizienter machen und zur CO2-Vermeidung sowie zum Ausbau der Energieautarkie beitragen.
Und mit der Begrünung von Dächern schafft das Dachdeckerhandwerk nicht nur Ausgleichsflächen für die Bebauung gleich auf dem Dach des neuen Hauses, sondern auch Minibiotope in bebauten Gebieten. „Mit dem schönen Zusatzeffekt, dass begrünte Dächer durch die Verdunstungskälte gleichzeitig als natürliche Klimaanlagen wirken“, ergänzt die Dach-Expertin Schulte-Täumer. Stand heute werden in Deutschland jährlich acht bis zehn Millionen Quadratmeter Dachfläche neu begrünt.
Mit dem „Gesamtpaket“ Energieeinsparung und Energiegewinnung als einem der wichtigsten Ausbildungsinhalte kann der Dachdecker-Nachwuchs von heute in eine sichere berufliche Zukunft nach der dreijährigen Ausbildung blicken. Aus „Ziegelauflegern“ sind gefragte Praktiker:innen geworden, die zunehmend bereits im frühen Entwicklungsstadium der Häuser von morgen eingebunden werden. Denn die Betriebskosten eines jeden Gebäudes für seinen gesamten Lebenszyklus stehen bei der Planung immer mehr im Fokus.
„Es muss also nicht immer ein Studium sein, um beruflich auf der sicheren Seite zu sein“, so Andrea Schulte-Täumer. Und mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Natürlich dämmen und decken wir auch Universitäten“.
Für Kurzentschlossene gibt es noch freie Ausbildungsplätze hier in NRW.