LIGNA.TV Tischler-Magazin: Digitalisierung
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Wie weit ist eigentlich die Digitalisierung in den nordrhein-westfälischen Tischlerbetrieben verbreitet? Welche Schwachstellen gibt es und womit sind die Betriebe bereits ganz weit vorne? Diesen wichtigen Fragen ist der Fachverband Tischler NRW ganz genau nachgegangen. Gemeinsam mit der TU Rosenheim wurde eine große Digitalisierungsumfrage bei den Mitgliedsbetrieben durchgeführt – mit großem Erfolg! Über 600 Tischlerbetriebe machten mit und gaben einen Einblick in den digitalen Entwicklungsstand ihrer täglichen Arbeit.
Beim Einsatz von digitalen Techniken beim Konstruieren und in der Fertigung macht den Tischlerunternehmen keiner was vor: Die digitale Einbindung klappt sehr gut! Vor allem die technischen Prozessschritte der Konstruktion durch CAD-Programme, der Einsatz von CNC-Maschinen sowie die digitale Visualisierung und der Anfertigung von Stücklisten entwickeln sich besonders positiv. Aber: Digitalisierung findet weit über Konstruktion und Maschine hinaus statt.
Digitalisierung, derzeit ein Schlagwort in aller Munde, doch jeder versteht darunter etwas anderes. So wird in Beratungsgesprächen auch mal die Aussage getroffen: „Dieser Digitalisierungswahnsinn ist alles nichts für mich.“ Michael Bücking, Digitalisierungsberater des Tischlerverbands, erklärt: „Direkt beim ersten Hinschauen fällt auf, oft nutzen die Betriebe digitale Techniken, wie beispielsweise in der in der Konstruktion ihrer Arbeit, in der Fertigung werden CNC-Maschinen eingesetzt oder auch die Buchhaltung erfolgt digital. Viele digitale Schritte gehören mittlerweile zur Selbstverständlichkeit und werden nicht als neue Funktion angesehen. Die Betriebe sind digital unterwegs, ohne das Vokabular zu nutzen.“
Viel spannender ist mittlerweile das Geschehen über die Fertigung hinaus: Die Vernetzung der verschiedenen Prozesse. Heute befinden sich die Betriebe häufig in der Herausforderung, eine möglichst reibungslose und barrierefreie Datenübergang vom einen Prozessschritt in den Nächsten zu organisieren. Digitalisierung hört also häufig nach der CNC-Maschine auf. Es fehlt eine Vernetzung vom Lager, zur Werkstatt oder zum Montagetrupp.
Als Beispiel dafür steht das Geschehen auf der Baustelle: Der Einsatz von digitalen Technologien auf der Baustelle, also der Montage, ist „ausbaufähig“. Aber worum geht es hier eigentlich? Der Montagetrupp montiert häufig weit weg von der eigentlichen Werkstatt. Aktuelle Positionspläne, Änderungen des Architekten, das Vorhandensein von aktuellen Zeichnungen, Dokumentationen oder Schadensregelungen sind Themen, die hier täglich beschäftigen. All diese Dinge müssen zu einer Arbeitsmappe zusammengefasst werden. Warum diese nicht mit einem Softwareprogramm digitalisieren? Jederzeit aktuelle Informationen und Dokumente vor Ort zu haben. Automatische Rückkopplung sowie digitale Zeiterfassung können direkt vor Ort gemacht werden. Anders gesagt: Eine Durchgängigkeit von Daten in der Prozesskette erleichtert die Arbeit.
Digitalisierung bedeutet in der heutigen Entwicklungsphase von Tischlereien: Neben dem effizienten Einsatz von digitalen Techniken im Bereich Planung, Konstruktion und Fertigung, die richtigen Informationen am richtigen Ort aktuell und vor allem organisiert allen Beteiligten zur Verfügung zu stellen.
Für 75% der befragten Unternehmen ist das Thema wichtig. Die Bedeutung der Digitalisierung ist also offensichtlich und wird sich in den kommenden fünf Jahren weiter nach oben entwickeln. Dennoch haben Betriebe oft keinen konkreten Fahrplan für die künftige Entwicklung ihrer digitalen Techniken oder Ausbau von deren. Über die Hälfte der Tischlerbetriebe gab an, keine oder nur geringe langfristige Digitalisierungsstrategien zu haben. Auch die Entwicklung von Investitionsstrategien fehlt. Die Betriebe neigen verstärkt dazu, zu reagieren statt zu agieren.
Vor allem kleinere Betriebe haben Schwierigkeiten, die technischen Herausforderungen der Digitalisierung durch eigenes Know-how oder kompetente und bezahlbare Dienstleister abzudecken. Es stellt sich die Frage nach der richtigen Software. Denn davon gibt es viele! Die Betriebe kennen ihre Probleme und wissen genau, was eine Software können muss, um diese zu lösen. Aber oft wissen sie gar nicht den vollumfänglichen Umfang ihrer bereits benutzten Software. So entstehen zusammengewürfelte Softwarelandschaften. Eine neutrale Beratung und die personelle Schaffung von Kompetenz ist wichtig. Denn das Softwarepaket zu ändern ist häufig ein großer personeller und zeitlicher Aufwand, der mit langem Atem verbunden ist.
Eine bessere Vernetzung, die Optimierung von Prozessketten und die Durchgängigkeit der Datenübermittlung sind derzeitige Baustellen. Dazu zählen z. B. die digitale Lagerverwaltung, Zeiterfassung & Dokumentation, effiziente Schnittstellen mit den Lieferanten und dem Handel, für eine sichere und schnellere Kommunikation.
Auch in Zukunft wird der Tischler weiterhin Dinge von Hand einpassen und Möbel werden so schnell nicht aus dem 3D-Drucker kommen. Eine digitale Organisation des Betriebes und die sinnvolle Kombination aus traditionellem Handwerk und digitalen Hilfen & Techniken sind die Zukunft.
LIGNA.TV trifft Michael Bücking im Inteview zur Umfrage. Was Digitalisierung konkret vor Ort bedeuten kann, zeigen die Schreinerei Stefan Kraik und die Klein-Nöh GmbH. Die Geschäftsführer verraten, wie sie die Digitalisierung in ihren Betrieben vorangebracht haben.