Die Spitzenvertretungen der nordrhein-westfälischen Handwerkskammern haben sich im Rahmen ihrer Frühjahrs-Vollversammlung des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) auf die Umsetzung einer „Digitalisierungsoffensive Handwerk NRW“ verständigt. Der Beschluss steht unter der Überschrift „Mit mehr Mut und mehr Selbstbewusstsein den digitalen Wandel vorantreiben“. Hierbei stehen fünf Handlungsfelder im Mittelpunkt: Betriebe, Bildung, Beratung, Verwaltung und Infrastruktur. Entscheidend: Das nordrhein-westfälische Handwerk fordert die Unterstützung der Landesregierung ein.
„Kleine und mittlere Unternehmen des Handwerks brauchen für mehr Digitalisierung ihrer Geschäfts- und Fertigungsprozesse konkrete Unterstützungsmöglichkeiten. Nur damit werden die wichtigen Chancen des aktuellen Digitalisierungsschubs nachhaltig wirksam. Mit einer entsprechenden Digitalisierungsprämie für Handwerksbetriebe kann dies gelingen.“
Hans Hund, WHKT-Präsident
Die Politik steht in der Pflicht und soll den betrieben Unterstützungen bereitstellen, damit diese den Weg aus der Corona-Pandemie finden und die Modernisierung des Wirtschaftsstandortes bescheunigt werden kann. In diesem Zusammenhang geht es für Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen Lippe zu Bielefeld und Federführer für den Themenbereich der Digitalisierung im WHKT, maßgeblich auch darum, dass das Handwerk mehr als „nur“ Stabilisator der Wirtschaft ist.
„Mit einer konsequenten Digitalisierungsstrategie wollen wir Antreiber der wirtschaftlichen Entwicklung sein. Insgesamt hat das Handwerk an vielen Stellen, gerade bei den kleinen Betrieben, auch Aufholbedarf. Die politischen Rahmenbedingungen sind deswegen ebenso entscheidend wie die Überzeugungsarbeit im Handwerk selbst: Die Digitalisierung ist keine Bedrohung, sondern eine Gestaltungschance für das Handwerk.“
Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der HWK OWL zu Bielefeld
Damit diese Transformation im und mit dem Handwerk gut gelingt, weist Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des WHKT, auf die Erwartungen hin, die das Handwerk NRW gegenüber der Landesregierung in dem Positionspapier deutlich formuliert. „Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen, eine Beteiligung des Handwerks an den Digitalisierungsinitiativen des Landes, mehr Anerkennung des Handwerks für die Umsetzung der Digitalisierung und eine leistungsfähige Infrastruktur – gerade in der Fläche.“ Der gute Dialog mit der Landesregierung und insbesondere mit dem Digitalmimisterium sei für die Ziele des Handwerks eine gute Basis.
Die Forderungen an die Landesregierung
- Faire Wettbewerbsbedingungen für die Handwerksbetriebe in einem zunehmend digitalisierten, zunehmend von Plattformen und zunehmend von einer Datenökonomie dominierten Wirtschaftsleben
- Stärkung des Handwerks durch konsequente Berücksichtigung und Einbeziehung in die digitalen Initiativen des Landes
- Stärkere Anerkennung der Rolle des Handwerks als Umsetzer der Digitalisierung
- Intensivere Nutzung der Zukunftsinitiativen
- Stärkung des Handwerks in der Fläche durch den Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur