Die positive Nachricht vorweg: Im vergangenen Jahr ist die Kriminalität in Deutschland zurückgegangen. Grund: Die Corona-Maßnahmen wie Lockdown haben Ihre Spuren hinterlassen. Dies geht aus Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 hervor. Durch Corona ist es zu einer Kriminalitäts-Verschiebung gekommen: Cyberkriminalität hat bundesweit mächtig zugelegt – Nordrhein-Westfalen ist besonders betroffen. Dies hat auch Auswirkungen auf die Handwerksbetriebe.
Durch Social Distancing, Home-Office und geschlossene Einkaufsläden findet das öffentliche Leben vordergründig im Internet statt. Darauf haben sich die Kriminellen eingestellt und machen sich die Situation zu Nutze. Die digitale Welt sei „ein perfekter Nährboden für Cyberkriminelle“, so heißt es in der Sonderauswertung „Cybercrime in Zeiten der Corona-Pandemie“ des Bundeskriminalamtes.
„Die Pandemie wirkt sich deutlich auf die Statistik aus und wir sehen, dass sich die Kriminalität ins Netz verlagert hat. Hier zeigt sich deutlich der Corona-Effekt auf die Kriminalstatistik. Aufgrund der Pandemie findet das Leben jetzt online statt und das Verbrechen kommt hinterher.
NRW-Innenminister Herbert Reul zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2020
Deutschlandweit sind im Jahr insgesamt 108.474 Cybercrime-Fälle erfasst worden. Dies entspricht einer Steigerung von 7,9 Prozent zum Vorjahr. Nicht mal jeder dritte Fall wird aufgeklärt: Die Aufklärungsrate liegt bei 32,6 %. Ein Schwerpunktziel der Kriminellen ist Nordrhein-Westfalen: Jede fünfte Cyber-Straftat wird in NRW verübt. Bei der Computerkriminalität sind in NRW insgesamt 24.294 Fälle registriert worden, 2019 waren es 20.118 Fälle. Somit wurden 4.176 mehr Fälle verzeichnet – ein Zuwachs um 20,8 %.
Bekannte Methoden neu verpackt
Die Cyber-Kriminellen nutzen oftmals bekannte Tricks, um Internetnutzer und Firmen zu täuschen. Phishing-Mails, Fake-Websiten oder Malware-Spams wurden auf die entsprechenden Gegebenheiten angepasst. Die Corona-Pandemie diente den Tätern als Spielball.
Der Warenbetrug im World Wide Web ist gestiegen. Die große Nachfrage nach Gesundheitsartikeln wurde ausgenutzt, um gefälschte Desinfektionsmittel, Masken, Tests, Testbescheinigungen und schließlich gefälschte Impfstoffe in Online-Shops anzubieten.
Soforthilfe als Falle
Eine Vielzahl von Handwerksunternehmen sind Opfer einer großaufgelegten Betrugsfalle in Zusammenhang mit den NRW-Soforthilfen geworden. Im April 2020 etwa meldeten sich beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen plötzlich vermehrt Selbstständige, die eine Website namens NRW-Soforthilfe-2020 aufgerufen und dort Daten eingegeben hatten.
Erst als kein Geld ankam und sie bei der richtigen Stelle nachfragten, merkten sie, dass die Website gefälscht war. Mehr als 1.200 Anzeigen gingen in diesem Zusammenhang beim Landeskriminalamt ein. Wer dahinter steckte, konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht ermitteln. Die Täter nutzten die ergaunerten Daten für Betrugsdelikte. Am Ende belief sich der Schaden auf einen mittleren sechsstelligen Betrag.
#Kriminalität verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum. Speziell die Deliktsfelder der #Cybercrime im engeren Sinne sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.
Mehr dazu im heute veröffentlichten #Bundeslagebild Cybercrime 2020: https://t.co/XdnE4yg92L pic.twitter.com/hpYZc1W9NK
— Bundeskriminalamt (@bka) May 10, 2021