Kann Digitalisierung nachhaltig sein, Prof. Fleischmann?

Rebecca Heisterhoff
17. Oktober 2022
Interview

Handwerk-Digital.NRW: Der Suchbegriff ‚Digitalisierung‘, bei Google eingegeben, wirft innerhalb von Sekunden ca. 8,3 Millionen Ergebnisse aus. Eine unglaubliche Menge an Daten und Informationen zum Thema. Wie definieren Sie den Begriff Digitalisierung?

Prof. Moritz Fleischmann: Wenn ich es kurz machen soll: Digitalisierung ist für mich ein Transformationsprozess, der selbst weiterhin im Wandel begriffen ist. In den 80er-Jahren war Digitalisierung etwas anderes als heute, 40 Jahre später. Oft wird Digitalisierung banalisiert, so à la ‚Papier weg, Computer hin‘. Aber dahinter steckt viel mehr Notwendigkeit.

Allerdings ist der Computer auch heute oft noch das Erste, was den Leuten in den Sinn kommt, also, Informationstechnik zu implementieren. Aber in Bezug auf Industrie, Automatisierung am Arbeitsplatz, wirkt diese Veränderungen schon grundsätzlich; es geht ans Eingemachte. Also, es ändert sich nicht nur wie ich etwas ausführe, sondern eigentlich der ganze Vorgang. Für das Handwerk wäre da auch das Stichwort Industrie 4.0 zu nennen. Maschinenkommunikation und -ansteuerung. Das sind für mich derzeit die wichtigsten Faktoren.

Handwerk-Digital.NRW: Zur Vorbereitung auf unser Gespräch heute habe ich mir ein Erklärvideo auf der Homepage des Zentrum für Digitalisierung und Digitalität (ZDD) angesehen. Da wird ein Aspekt erklärt, der für Handwerker:innen in Zukunft vermutlich noch interessanter wird, die sogenannte ‚Digitalität‘, also das Zusammenspiel von analog und digital. Können Sie uns das näher erklären?

Prof. Moritz Fleischmann: Digitalisierung beschreibt den Transformationsprozess hin zu digitalen Prozessen, während Digitalität den Schritt danach beschreibt. Also den Zustand, in dem viele Industrien, aber auch viele Privatleute bereits angekommen sind. Wenn wir uns unseren Umgang mit Smartphones, Alexa oder Pads ansehen, dann ist unser Alltag bereits mit digitalen Anwendungen und Werkzeugen verwoben. Klar, man kann noch ein wenig mehr machen, eine digitale Heizungssteuerung, Smart Home, so etwas. Aber keiner fragt mehr: Hast Du ein Handy? Es wird vorausgesetzt. Das heißt, wir sind eigentlich in einer Normalität angekommen.

Und bei der Digitalität fragen wir: Wie leben wir eigentlich damit? Mit den neuen Möglichkeiten, aber auch den Gefahrenpunkten. Das finde ich ganz schön, dass man sagt, die Transformation findet weiterhin statt, aber damit auch das Blickfeld zu erweitern, weg von den rein technischen Fragen hin zu sozialen, gesellschaftlichen, ethischen Fragestellungen. Im Handwerk sind wir aber noch mitten in der Digitalisierung, also im Transformationsprozess.

Handwerk-Digital.NRW: Das stimmt. Obwohl sich schon während dieses Digitalisierungsprozesses für viele Betriebe die darauffolgende Digitalität als Problem abzeichnet. Also, die Frage danach, wer pflegt nun die Software? Wer wartet? Wer kümmert sich um Updates? Was macht das aber auch mit dem Arbeitsalltag? Mit dem Team, den Mitarbeitenden?

Prof. Moritz Fleischmann: Da sprechen Sie etwas Wichtiges an. Denn im ersten Moment steht die Technik, deren Auswahl und Implementierung im Mittelpunkt. Aber natürlich sind wir Menschen Teil des Prozesses. Das dürfen wir nicht vergessen. Überall da, wo sich Prozesse durch Digitalisierung verändern, muss man gucken, was für ein Rattenschwanz an Aufgaben und veränderten Abläufen darauffolgt.

Handwerk-Digital.NRW: Bei mehr Digitalisierung, mehr Digitalität, stellt sich unweigerlich die Frage der Nachhaltigkeit. Stichworte: Energie-, Ressourcen- und Flächenverbrauch. Deshalb die Frage: Ist Digitalisierung nachhaltig?

Prof. Moritz Fleischmann: Das ist natürlich eine ganz große Frage, die ich mir selbst auch schon lange stelle: Kann Digitalisierung überhaupt nachhaltig sein? Denn es ist ja erstmal ein Widerspruch. Ich versuche die digitale Entwicklung und Nachhaltigkeit schon lange zusammenzudenken, aber es ist nicht ganz einfach.

Als ich angefangen habe gab es zwei Lager. Es gab den Öko, der kaufte im Bioladen ein, der trug Birkenstock-Sandalen und hatte nichts mit Computern zu tun; bloß nicht! Und im anderen Lager gab es die Nerds, die Gamer, die wiederum in ihrer eigenen Welt lebten oder sich ihre eigene Welt programmierten. Von Öko keine Spur.

Und, ich glaube, Ihre Frage zielt ja auch schon darauf ab, wir haben heute ein neues Verständnis. Glücklicherweise, wenn auch viel zu spät – aber wir erkennen heute, dass alles seinen Preis hat. Die Technologie und die Digitalisierung haben einen hohen Preis, was den Ressourcen- und Energieverbrauch angeht; Sie sprachen es an.

Jetzt im Herbst haben wir wieder Studienanfänger:innen. Früher wurde nur gefragt: Brauche ich einen Laptop, wenn ja, welchen? Heute sagen wir schon: Hey, so ein Laptop braucht 20.000 Liter Wasser in seiner Herstellung. Wenn jetzt 100 Student:innen sich einen neuen Laptop kaufen, dann sind 2. Mio. Liter Wasser weg und das Semester hat noch nicht angefangen. Denkt da mal drüber nach! Wir sind Teil des Problems und wir sind Teil der Lösung. Und als Architekt:innen, wenn wir bauen, Flächen verbrauchen, müssen wir diese Probleme lösen.

Ich habe im Sommer ein Buch von Frank Schätzing gelesen, in dem er versucht, dem ganzen Klimawandel wenigstens einige positive Aspekte zu verleihen. Ich muss sagen, er schafft es dann leider doch nicht ganz. Wäre zwar schön, wenn das hier eine Hollywoodstory wäre, und am Ende müssen wir nur diese eine Schublade aufmachen und dann wird das schon. Allerdings glaube ich (und da gibt es auch eine große Community, die das auch so sieht), dass Technologie einfach Teil der Lösung sein muss. Und das ist vermutlich eine ganz gute Haltung dazu.

Zu sagen, wir gehen jetzt in die Steinzeit zurück. Ich kann mir das zwar vorstellen, aber dazu bräuchte es erst die Klimakatastrophe, dann Überlebende, die mit weniger Emissionen weitermachen würden. Wenn wir aber so viele Menschen bleiben oder sogar mehr werden, so glaube ich doch, dass wir Menschen unseren Forscherdrang beibehalten. Wo kommen wir her? Wer sind wir eigentlich? Was sind die Sterne? Also alles, was Entwicklung und technologischen Fortschritt ja bedingt. Das können wir jetzt nicht per Dekret wegrationalisieren, weil das ja Energie verbraucht. Das wird ganz, ganz schwierig. Also, realistischer ist derzeit, dass die Technologie bleiben wird. Aber sie muss natürlich nachhaltiger werden. Sagen wir mal, wir haben so eine Vorstellung davon, dass das durch eine Art zirkuläres System zu erreichen ist, indem wir nicht mehr nehmen, als wir verbrauchen, in dem regenerative Energien verwendet werden, und vor allem Energie auch gespeichert wird, etwa Sonnenenergie. Zusätzlich müssten wir mit aller Kraft daran arbeiten, unseren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu gestalten. Und nicht, wie Microsoft es gerade tut, Serverfarmen im Meer zu versenken, damit die Ozeane nun auch von unten aufgeheizt werden. Aber das ist eine globale Mammutaufgabe. Wir sind als Gesellschaft so weit fortgeschritten, wir müssen nach gangbaren Wegen suchen, ohne gleich alle Errungenschaften aufzugeben.

Handwerk-Digital.NRW: Ich habe in diesem Sommer ebenfalls ein interessantes Buch gelesen, von Harald Welzer. Darin geht es genau darum, dass wir als Gesellschaft verlernt haben aufzuhören. Also mit unserem höher, schneller, weiter einfach mal aufhören müssten. So kämen wir dann vielleicht auch näher an die Kreislaufwirtschaft, die Ihnen vorschwebt.

Prof. Moritz Fleischmann: Ja. Da muss man sich natürlich ein bisschen zu erziehen. Wir sind alle daran gewöhnt, auch ich, dass man mehr haben kann. Mehr Gehalt, mehr Sicherheit, mehr Konsum. Verzicht ist negativ behaftet, wird er in unserer Konsumgesellschaft mit Armut assoziiert. Gleichzeitig gibt es andere Kulturen, wo ein Weniger auch mit Freiheit in Verbindung gebracht wird.

Wir brauchen ein Wertesystem, das uns von diesem Individualismus wegbringt – ohne gleich wieder das Schreckgespenst des Kommunismus heraufzubeschwören – das sagt: Es ist okay, wenn ich einen Blick über das Hier und Jetzt hinauswerfe. Mal 5, 10, 50 Jahre nach vorne schaue. Nicht nur auf die eigene Familie, sondern auch auf entferntere Gruppen und vielleicht sogar nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Tiere, Landschaften, Ökosysteme… Dann kommt man irgendwann fast schon in esoterische Sphären und Haltungen, die aber eben nicht per se trennbar sind von Fragen wie: Wer will ich eigentlich sein? Wozu will ich beitragen? Was will ich hinterlassen?

Die Diskussion kommt eigentlich viel zu spät. Wenn man in einer Konsumgesellschaft aufgewachsen ist und da auch Erfolge gefeiert hat, da nehme ich mich gar nicht aus, ist es schwer zu sagen: Ich höre jetzt auf! Konkret habe ich durch meine Frau, als wir die Kinder bekommen haben, den Anstoß bekommen, plastikfrei zu leben. Was wahnsinnig schwer war und es manchmal immer noch ist. Wir schaffen das auch nicht jeden Tag. Versuchen Sie mal Sportsocken ohne Plastik zu bekommen. Da bleibt dann nur Second Hand – es ist halt eine Übung.

Handwerk-Digital.NRW: Das finde ich spannend, dass Sie den Freiheitsbegriff ins Spiel bringen, weil natürlich in unserer Konsumgesellschaft der Begriff Freiheit ganz anders besetzt ist. Nicht zuletzt in der Pandemie haben wir gesehen, wofür der Freiheitsbegriff alles herhalten musste. Andererseits gibt es den Trend, dass Freiheit auch sein kann, sich zu verkleinern. Sich sein Leben so einzurichten, dass ich eben nicht fünf Gelbe Tonnen bräuchte am Ende der Woche.

Prof. Moritz Fleischmann: Genau. Das habe ich auch gemerkt beim Übergang in Richtung Plastikfreiheit und ins Weniger. Man kann gebraucht kaufen, reparieren, umnutzen. Theoretisch bräuchten wir beim Bauen ebenfalls einen viel radikaleren Schritt: Nämlich nur noch Umnutzung. Gar keine Neubauten mehr, gar keine Flächenversiegelung mehr. Was natürlich, Stichwort Verzicht, aus Architekt:innen-Sicht erst einmal widersinnig scheint.

Ich studiere doch Architektur, um Sachen zu erfinden, um neue Gebäude und Lebensräume zu gestalten. Das mache ich doch nicht, um Sachen nur umzubauen. Defacto ist das aber das Gebot der Zeit. Selbst die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen vergibt ihre Platin Zertifikate ab 2030 nur noch für Umnutzung und Umbauten. Das bedeutet, dass man einen gewissen Status mit Neubauten gar nicht mehr erreichen können wird.

Handwerk-Digital.NRW:  Also, über die Zertifikate findet eine Art brancheninterne Steuerung statt, verstehe ich das richtig? Welche Standards liegen denn da zugrunde? Zum Beispiel die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen?

Prof. Moritz Fleischmann: Also, die Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch: Sustainable Development Goals, SDGs; Anm. d. Redaktion) spielen da mit rein. Es gibt jedoch viele europäische Richtlinien, auch das System der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) selbst ist sehr gut.

Gleichwohl wird es durch die Zertifikate nicht einfacher, sondern immer komplexer. Weil auch Aspekte wie der baukulturelle Wert etwa erfasst wird. Die Zertifikate haben ein gutes Standing bei unseren Auftraggebenden. Die Leute fragen danach, sie wollen nachhaltige Gebäude; deshalb werden diese Standards am Markt nachgefragt. Und diese Zertifikate sind auch nicht nur reines Greenwashing – aber, wenn wir rauszoomen, wird immer noch zu viel neu gebaut. Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten kommt dann ja das Handwerk wieder ins Spiel, bei Renovierungen zum Beispiel.

Handwerk-Digital.NRW:  Inwiefern kann digitales Bauen diese Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit unterstützen? Welche Möglichkeiten eröffnet das Building Information Modeling (BIM) dem Handwerk?

Prof. Moritz Fleischmann: Das Building Information Modeling ist eine Planungsmethode. Sie wird meines Erachtens, ähnlich wie andere technische Methoden, nicht weggehen. Allerdings brauchen wir BIM-Ziele. Wir machen BIM nicht nur weil es geht, sondern weil es Sinn ergibt. Damit es einen Sinn ergibt, muss ich wissen, was ich mit BIM erreichen möchte. Für uns Architekten ist das relativ einfach. Wir können im Idealfall durch BIM die Gebäudeplanung für uns effizienter zu machen; das ist gut. Aber für den Bauherren gibt es nicht unbedingt einen Mehrwert. Und auch nicht für die ausführenden Firmen. Weil wir in Deutschland schon in der Ausschreibung einen gewissen Bruch drin haben.

Nehmen wir an, wir planen ein Haus, da sind Türen drin. Ich plane, dann kommt der Bauherr, wir unterhalten uns darüber, er ist einverstanden. Dann kommt eine Übersetzung, die schöne Türe, das Modell, wird übersetzt in eine funktionale Ausschreibung. Der Ausschreibungstext landet im Internet. Da steht dann drin: Ich brauche soundso viele Türen, mit diesen Eigenschaften. Ein Generalunternehmer oder Handwerksbetrieb bietet darauf, bekommt den Zuschlag und verbaut die Türen. Super. Aber was ist jetzt mit dem BIM-Modell? In der klassischen Planung würde der Generalunternehmer oder Handwerker ja auch nicht hingehen und in das Ursprungsmodell seine Türen neu einzeichnen.

Und genau das passiert im BIM-Modell auch nicht. Keiner geht jetzt hin und tauscht die geplanten Türen gegen die tatsächlich zu verbauenden konkreten Türen aus. Und deswegen ist an der Stelle die Frage der ausführenden Firmen nach dem Nutzen von BIM schon berechtigt. Aber, wenn es gut gemacht wird, dann haben Handwerker:innen schon etwas davon. Denn dann passt die Ausschreibung auch zu dem, was tatsächlich zu tun ist. Das ist eine Situation, die glaube ich, viele so oder so ähnlich kennen. Da wird etwas ausgeschrieben und dann stimmt aber die Quadratmeteranzahl nicht oder andere abgeleitete Daten sind nicht korrekt. Da ist BIM in der Planungsgenauigkeit schon besser. Die Konsistenz der abgeleiteten Daten ist besser, höher, das verringert Reibungsverluste und Verschwendung in der Umsetzungsphase.

Handwerk-Digital.NRW: Also ist BIM eine Erleichterung der Übersetzung von Anforderungen in eine konsistente Planung, aber es fehlt interdisziplinäres Arbeiten?

Prof. Moritz Fleischmann: BIM regelt den Informationsaustausch. In der klassischen Planung gibt es immer noch sehr viele Medienbrüche, damit auch Informationsverlust. Ich bekomme eine E-Mail, eine WhatsApp-Nachricht, daraus leitet sich eine Änderung ab oder ein Impuls kommt hinzu. Dann gehe ich in eine CAD/CAM-Software, zeichne das. Vielleicht gibt es noch ein weiteres Programm, mit dem ich eine 3D-Visualisierung mache. Dann wechsle ich wieder, schicke nochmal eine neue Kalkulation als Exceltabelle raus. Das sind alles Medienbrüche, nichts ist miteinander verknüpft.

In einem Idealprozess sähe das anders aus. Klar, die WhatsApp-Nachricht kann ich nicht blocken. Aber, ich würde die Information zentral modellbasiert weitergeben. Das hätte den Vorteil, dass wir intern nicht den ganzen Papierkram und Synchronisierungsablauf hätten. Das wäre eine gewaltige Effizienzsteigerung. Und wenn man das sauber macht, dann ist das ein Gewinn. Im digitalen, wie auch im analogen Prozess.

Aber noch schöner wäre es natürlich, Handwerker:innen würden schon in der Planungsphase beteiligt. Könnten vielleicht sogar ein eigenes Modell beisteuern, sehen, das passt alles. Und dann könnte man sogar dahin gehen, dass das Modell auch für den Gebäudebetrieb weiterhin genutzt werden kann, Stichwort: Smart Home. Man könnte es auch für Wartungsarbeiten oder ähnliche wiederkehrende Arbeiten nutzen. Das Handwerk könnte also von BIM profitieren durch die Konsistenz der Daten. Und durch die Erstellung und das Hinzufügen komplett eigener Modelle. Nicht nur für den Bau, sondern auch für den weiteren Betrieb.

Allein weil die Kommunen inzwischen BIM in ihren Ausschreibungen fordern, ist spätestens jetzt der Zeitpunkt da, an dem ich mich mal damit befassen sollte. Nicht mehr zu fragen: Weshalb brauche ich BIM? Sondern: Wie geht das?

Handwerk-Digital.NRW:  Was würden Sie Handwerker:innen raten, die sich zum ersten Mal mit BIM beschäftigen möchten? Wo können sie anfangen?

Prof. Moritz Fleischmann: Sie könnten sich klarmachen, dass das Handwerk ein Gut ist, auf das Akademiker:innen neidisch draufschauen und sich wünschten, sie hätten die Kompetenz, das Know-How, die Planung schon so zu machen, dass es halt wird, wie ein:e Meister:in das entwickeln würde. Auch die Potenziale zu sehen, die das Handwerk auch künftig hat. Im Moment ist die Auftragslage für Handwerker:innen ein Luxus. Es gibt da Jobs im Handwerk, To-Dos, Aufstiegs- und Übernahmemöglichkeiten. Es gibt eine Riesenkompetenz! Wir werden international repräsentiert, da tut sich mit Blick auf Patente, neuen Technologien, neue Werkzeuge ständig etwas, gerade auch in Deutschland.

Und wenn ich das als Handwerker:in erkannt habe, dann kann ich mir überlegen: Wie will ich jetzt arbeiten? Wie will ich da rein in diesen Markt? Wie funktioniert das Thema BIM für das, was ich will? Dann kann ich einen klaren Bereich definieren, also zum Beispiel einen Teilbereich wo ich einen Mehrwert sehe, File to Factory etwa. Oder andere Themen, wie Wartung und Lifecycle, das muss man individuell für den eigenen Betrieb herausfinden. Auch neue Märkte kann man schaffen, indem man vielleicht Dienstleistungs- und Beratungsleistungen anbringt. Das Interesse muss grundsätzlich da sein.

Dann lade ich mir vielleicht mal ein kleines BIM-Modell runter. Besorge mir einen AFC-Viewer (eine Anwendung zum Lesen unterschiedlichster Dateiformate; Anm. d. Red.) und dann sehe ich mir die Daten mal an. Lasse mir alle Böden oder Fenster anzeigen, und dann sehe ich, oh, da fehlt vielleicht etwas, oder, hier ist es schlecht gemacht, das könnte ich vielleicht besser. Dann kann ich mir überlegen, ob ich IFC-Modelle nicht nur lesen, sondern auch für meinen Bereich bearbeiten können möchte. Vielleicht nicht so, dass ich hier die To-Dos für alle Gewerke verändere. Aber so, dass ich meinen Teil zum Modell beitrage. Das ist nicht so wahnsinnig kompliziert. Da kann ich nur Mut machen!

Handwerk-Digital.NRW: Prof. Fleischmann, vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch!

Prof. Moritz Fleischmann erforscht seit 2021 an der HSD die Möglichkeiten der Digitalisierung im architektonischen Entwurfs-, Planungs- und Bauprozess. Seine Schwerpunkte sind BIM und Nachhaltigkeit.  

Er lehrt in Bachelor- und Masterstudiengängen Architektur, Innenarchitektur und Data Science.

Seit 2022 ist er Vorstandsmitglied des neu gegründeten Zentrums für Digitalisierung und Digitalität der Hochschule Düsseldorf (ZDD).

Kontakt: moritz.fleischmann@hs-duesseldorf.de

Website: www.mfba.de

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